Einordnung: Was hier beschrieben wird, ist das Lehrmodell der Akademie, kein Konsens der Fachgesellschaften und keine bewiesene Kausalkette. Es beschreibt, was Fachpersonen in der Ausbildung beobachten und testen lernen.

Zwei Knochen in der Mitte des Schädels
In der Mitte des Schädels liegen zwei Knochen, auf die es in diesem Modell ankommt: das Keilbein (Os sphenoidale) und das Hinterhauptbein (Os occipitale). Am Keilbein richten sich die übrigen Schädelknochen aus.
Vor der Wirbelsäule treffen beide aufeinander, an der spheno-basilaren Symphyse, kurz SBS (anatomisch: Synchondrosis spheno-occipitalis).
Wenn die Basis nicht neutral steht
Stehen diese beiden Knochen nicht in neutraler Position, stehen nach diesem Modell auch Ober- und Unterkiefer nicht mehr richtig zueinander. Die Ursache kann ein Trauma sein, eine schwierige Geburt, oder die Basis ist einfach so gewachsen. Im Englischen heisst diese Verschiebung cranial strain.
Der Fehlbiss ist in diesem Bild nicht der Ursprung, sondern das, was man an den Zähnen davon sieht.
Warum Zähne bewegen die Basis nicht verändert
Die Kieferorthopädie bewegt Zähne und führt die Kiefer in eine Position. Die Verschiebung an der Schädelbasis bleibt dabei bestehen, wo sie war. Das ist keine Kritik an der Kieferorthopädie, sondern eine andere Frage: Sie fragt, wo die Zähne stehen sollen. Dieses Modell fragt, warum sie dort stehen, wo sie stehen.
So erklärt das Modell auch, warum manche Patient:innen erst lange nach einer kieferorthopädischen Behandlung Beschwerden am Kiefergelenk bemerken: Die Zähne stehen ideal, das Gelenk muss die Lage der Basis aber weiter ausgleichen.
Wo die Dentosophie ansetzt: an der Muskulatur
Die Kaumuskulatur setzt genau an diesen Strukturen an. Über den Balancer und ein ausgewogenes Kaumuster soll sie die Knochen wieder in Richtung Gleichgewicht führen, und der Biss verändert sich mit, besonders bei Kindern im Wachstum. Dazu kommen die Funktionen: Zungenruhelage, Nasenatmung, Schluckmuster.
Bei Erwachsenen steht am Anfang das Entspannen. Die Muskulatur muss loslassen, bevor sie neu lernt. Eine Schiene trainiert keine Muskulatur, sie entkoppelt den Biss.
Dehnen ist nicht dasselbe
Ein schmaler Kiefer wird oft mechanisch gedehnt. Steht die Basis verschoben, kann sich eine Dehnung nach diesem Modell einseitig öffnen oder zusätzliche Spannung erzeugen. Deshalb wird in der Ausbildung zuerst die Basis gelesen und dann entschieden.
Von der Schädelbasis zur Haltung
Die Wirbelsäule beginnt an der Schädelbasis, und an ihr hängt die Haltung. Deshalb gehören posturologische Tests mit dem Balancer zum Unterricht: Sie zeigen im Einzelfall, wie Biss, Kopfhaltung und Körperstatik zusammenspielen.
Was du in der Ausbildung lernst
Du lernst die Landmarken, an denen du die Lage der Schädelbasis an einem Gesicht erkennst, wie du sie am Patienten testest und wie du daraus deine Planung ableitest, immer im Rahmen deiner eigenen Berufszulassung.
„Wir Zahnärzte gucken immer auf die Zähne. Ich will, dass ihr auf den Schädel guckt, weil da das Problem ist.“